AKW-Gösgen steht still: wegen Schwachstelle, die seit 1979 existiert
Problem im AKW Gösgen besteht seit Inbetriebnahme
- Seit Mai 2025 steht das Atomkraftwerk Gösgen still. Die Wiederinbetriebnahme nach der planmässigen Jahresrevision war für Ende Juni geplant.
- Das ENSI als Aufsichtsbehörde forderte von Gösgen Sicherheitsnachrüstungen. Darum dauert die ungeplante atomare Dunkelflaute voraussichtlich den ganzen Winter durch bis Ende Februar 2026.
- Ein unabhängiges Gutachten im Auftrag der Schweizerischen Energistiftung stellt nun Ende November fest: Das AKW Gösgen weist den gravierenden gravierenden Sicherheitsmangel seit 1979 auf.
Ein Gutachten im Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) deckt gravierende Mängel im Atomkraftwerk Gösgen auf. Seit der Inbetriebnahme 1979 fehlt im Speisewassersystem eine zentrale Sicherheitskomponente: gedämpfte Rückschlagklappen. Bei einem Leitungsbruch können ungedämpfte Klappen abrupt schliessen und gefährliche Druckstösse erzeugen. Diese belasten die noch intakten Rohrleitungen und Halterungen so stark, dass die Kühlung des Reaktors versagen könnte – mit der möglichen Folge schwerer Kernschäden bis hin zur Kernschmelze. Besonders kritisch wäre ein solcher Defekt in Kombination mit externen Ereignissen wie Erdbeben. Ein schwerer Unfall hätte nicht nur für die Schweiz, sondern auch für Süddeutschland mindestens so gravierende Konsequenzen.
Das Gutachten von Prof. Dr.-Ing. Manfred Mertins stellt fest, dass die Schwachstelle seit Betriebsbeginn besteht und trotz verfügbarer Analysemethoden nie behoben wurde. Während andere Schweizer AKW wie Beznau und Leibstadt nachgerüstet wurden, blieb Gösgen unverändert.
Das Gutachten verdeutlicht: Die Sicherheitsstandards in Gösgen sind veraltet. Die SES spricht in diesem Zusammenhang von einer „Sicherheitsillusion“ und kritisiert die jahrzehntelange Untätigkeit von Betreiberin und Aufsichtsbehörde ENSI. Die Frage steht im Raum, warum vom anerkannten Stand von Wissenschaft und Technik abgewichen wurde.
„Atomare Dunkelflaute“ viel gravierender als Schwankungen bei Erneuerbaren
Atomfans argumentieren gegen Sonne und Wind ja bekanntlich immer mit der «Dunkelflaute» – also dem gleichzeitigen Ausfall von Wind und Sonne. Der aktuelle Vorfall zeigt: Es sind die AKW, die das grösste Risiko darstellen. Ihr Betrieb ist offensichtlich keinesfalls so sicher, wie immer behauptet wird. Und wenn sie wie aktuell Gösgen ausfallen, fehlen den ganzen Winter über 10 Prozent der Schweizer Stromproduktion. Wegen der «atomaren Dunkelflaute».
Solche ungeplanten Ausfälle von Schweizer Atomkraftwerken sind übrigens kein Einzelfall: im Winter 2016/2017 fiel beispielsweise das AKW Leibstadt von Anfang August bis Mitte Februar aus – ebenfalls wegen Problemen, die bei einer geplanten Revision entdeckt wurden. Und das kleinere uralte AKW Beznau I stand von 2015 bis 2018 sogar fast drei Jahre still wegen Unregelmässigkeiten im Material des Reaktordruckbehälters.